Wenn Bewerbungen ins Leere laufen, wird meist zuerst der Lebenslauf überarbeitet. Neue Vorlage, umgestellt, gekürzt, neues Foto. KI für ein Anschreiben. Ratgeber, Videos, LinkedIn-Tipps. Eine Freundin und ein ehemaliger Kollege schauen drüber und finden ihn gut. Und wenn nichts zurückkommt, wird einfach mehr beworben.
Dass all das selten die gewünschte Wirkung hat, liegt daran, wie im Recruiting entschieden wird.
Nur 43 Sekunden
So lange nimmt sich ein Mensch im Schnitt für die erste Sichtung einer Bewerbung.* Und oft liest vorher schon ein System mit. Viele Unternehmen lassen Bewerbungen von Bewerbermanagement-Systemen (ATS) vorsortieren, also von Software, bevor ein Mensch sie sieht. Was dieses System nicht lesen kann, kommt beim Menschen gar nicht erst an.
Eine einzige Frage
In dieser Zeit wird nicht gelesen, sondern sortiert. Alles, was im Lebenslauf steht, wird an einem Punkt gemessen.
Passt diese Person auf diese Stelle?
Der Blick nach vorn
Und genau hier prallen zwei Blickrichtungen aufeinander. Ein Lebenslauf zeigt, was in all den Jahren geleistet wurde. Gesucht wird aber etwas anderes, nämlich was jemand in der neuen Position leisten wird.
Der Lebenslauf blickt zurück, aber
die Entscheidung blickt nach vorn.
Deshalb gibt es einen Punkt, an dem mehr Erfahrung nicht mehr zu mehr Einladungen führt. Nicht weil zu wenig da wäre, sondern weil aus der Fülle nicht mehr sofort ablesbar ist, wofür Sie stehen und was Sie auf dieser Stelle leisten werden.
Vorlagen, Tipps und KI arbeiten an der Form. Freunde und ehemalige Kollegen lesen den Lebenslauf mit allem, was sie über Sie wissen, und ergänzen unbewusst, was dort fehlt. Auf der anderen Seite des Tisches gibt es Sie aber nur auf dem Papier. Keiner dieser Wege ändert, was der Lebenslauf über Sie in Bezug auf genau diese eine Stelle sagt. Und das ist der eine Teil der Jobsuche, den Sie vollständig selbst in der Hand haben.
* StepStone-Eyetracking-Studie Österreich 2018, MindTake Research, 33 Personalverantwortliche